K.G.F.
Das ist eine sehr emotionale Arbeit. Wie immer, wenn ich eine neue Slit-Scan-Arbeit beginne, habe ich nur eine vage Vorstellung vom Ergebnis. Sicher weiß ich jedoch, welches emotionale Ziel ich erreichen möchte. Mit diesem Ziel vor Augen wähle ich zunächst die Objekte auf dem Drehteller. Im fertigen Werk ist mit den Augen oft kaum zu erkennen, was dort platziert war – doch das Herz könnte es fühlen. Die Objekte sind also die emotionale Verbindung zur realen Welt. Die Brücke zwischen der „realen“ Welt und der „Space over Time“-Welt, die nicht weniger real ist, nur unseren Augen verborgen bleibt.
Als Nächstes bestimme ich die Position der Spiegel. Ihre Position ist sehr wichtig, denn am Ende hüllen die Spiegel die Objekte in eine sanfte „Watte“. Schließlich lege ich die Geschwindigkeit des Drehtellers fest. Langsamer bedeutet weniger oder gar keine sich wiederholenden Formen und führt zu ruhigeren Ergebnissen; schneller erzeugt mehr Wiederholungen und bringt gewissermaßen mehr Energie ins Bild. Abgesehen von den grundlegenden Kameraeinstellungen – bei denen die Blende eine besonders wichtige Rolle spielt – war’s das. Dann beginne ich mit den Aufnahmen. Die vielen Tausend Fotos durchlaufen anschließend den Slit-Scan-Entwicklungsprozess, und erst dann sehe ich, was entstanden ist – je nach Projekt manchmal erst viele Stunden später.
Manchmal überraschen mich die Ergebnisse. Doch dieses hier hat mich ganz besonders berührt. Es mag auf den ersten Blick nicht so spektakulär sein wie andere, aber seine zarten Formen und Farben erinnern mich an einen traumgleichen Spaziergang durch ein Spiegelkabinett; sie beruhigen mich, machen mich still und demütig. Und vor allem ist es für mich die HOFFNUNG selbst.