
Spurensuche in Raum und Zeit folgt der Entwicklung von Space over Time – von den ersten Experimenten bis zu späteren Arbeiten, in denen Orte, Erinnerungen, Begegnungen und andere künstlerische Positionen zu Ausgangspunkten werden.
Die Werkgruppen sind chronologisch und zugleich inhaltlich geordnet. Jede setzt einen eigenen Schwerpunkt und eröffnet einen anderen Zugang zu Slit-Scan – über Bewegung und Zeit, über Farbe, Erinnerung, Veränderung oder über die Frage, wie sehr Wahrnehmung von der Art des Sehens bestimmt wird.
In ihrer Gesamtheit zeigen die Arbeiten, wie sich die Auseinandersetzung mit Raum, Zeit und Wahrnehmung über Jahre hinweg erweitert und verdichtet hat. Die Spurensuche bleibt dabei bewusst offen: Neue Werkgruppen setzen diese Entwicklung fort.
Die Anfänge von Space over Time sind geprägt von Neugier, Experiment und technischem Forschergeist. Erste Versuche mit rotierenden Objekten führen Schritt für Schritt zu eigenen Aufbauten, Drehtellern und neuen Möglichkeiten der Bildentstehung.
Noch steht keine feste Bildsprache am Anfang. Vielmehr entwickelt sie sich aus dem Experiment selbst: aus Bewegung, Farbe, Struktur und dem überraschenden Verhalten der Zeit im Bild. In dieser frühen Phase wird erstmals sichtbar, dass Slit-Scan nicht nur eine Technik ist, sondern eine eigene Form der Wahrnehmung ermöglichen kann.
Mit der Zeit wird aus dem Experiment eine eigene Sprache. Die technischen Möglichkeiten wachsen, doch entscheidender ist etwas anderes: Ich beginne immer genauer zu verstehen, was mich an Slit-Scan eigentlich interessiert. Nicht die Verfremdung um ihrer selbst willen, sondern die Möglichkeit, Wirklichkeit anders wahrnehmbar zu machen.
Bewegung, Erinnerung, Orte und persönliche Erfahrungen finden zunehmend Eingang in die Arbeiten. Die Technik tritt dabei mehr und mehr in den Hintergrund. Sie wird zum Werkzeug, um Gedanken und Empfindungen in eine Bildsprache zu übersetzen, die zwischen Fotografie und Malerei, zwischen sichtbarer Welt und innerer Wahrnehmung liegt.
Mit der Zeit werden Orte selbst zu Ausgangspunkten meiner Arbeiten. Nicht als Motive im klassischen Sinn, sondern als Träger von Erinnerung, Atmosphäre und persönlicher Erfahrung. Reisen, Begegnungen und Ausstellungen hinterlassen Eindrücke, die später in Farbe, Struktur und Bewegung wieder auftauchen.
Slit-Scan erlaubt mir dabei, einen Ort von seiner gewohnten Erscheinung zu lösen, ohne ihn zu verlassen. Was bleibt, ist keine Abbildung, sondern eine Verdichtung: ein Bild zwischen äußerer Wirklichkeit und innerer Erinnerung, zwischen dem, was tatsächlich da war, und dem, was davon in uns weiterlebt.
Mit der Zeit beginnt sich die Arbeit zu öffnen. Nicht mehr nur die eigene Wahrnehmung steht im Mittelpunkt, sondern auch die Begegnung mit anderen Formen, Materialien und künstlerischen Ideen.
Slit-Scan wird dabei zu einer Art Übersetzer. Es übernimmt etwas, das bereits vorhanden ist, und führt es in einen neuen Zusammenhang von Zeit, Bewegung und Wahrnehmung. Für mich liegt darin kein Verlust des Ursprünglichen, sondern eine Erweiterung: Etwas Bekanntes tritt in eine andere Beziehung zu sich selbst.